Vortragsveranstaltung (in Verbindung mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek)

Abb.: Academia Julia in Helmstedt, in: M. Merian: Topographia und eigentliche Beschreibung der vornembsten Stäte, Schlösser, auch anderer Plätze und Örter in denen Hertzogthümern Braunschweig und Lüneburg, Frankfurt 1654, Tafel nach S. 114.

Donnerstag, den 28. März 2019, 17:00 Uhr.

Prof. Dr. Bernd Roling (Berlin):

Vom geplünderten Frauenkloster zur Genese der Mediävistik: Die Bibliothek der Academia Julia und der Beginn der Mittelalterstudien in Helmstedt.

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Waterloostr. 8, 30169 Hannover.

Eintritt frei.

 

Referent

Bernd Roling, geb. 1972, studierte 1993-1998 Mittellateinische Philologie, Lateinische Philologie, Philosophie, Geschichte, Hebräische Philologie, Indologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. 2002 promovierte er dort in Mittel- und Neulateinischer Philologie mit der Arbeit "Aristotelische Naturphilosophie und christliche Kabbalah im Werk des Paulus Ritius († 1541)". 2007 erfolgte in Münster die Habilitation in Lateinischer Philologie des Mittelalters und der Neuzeit mit der Habilitationsschrift "Locutio angelica. Die Diskussion der Engelsprache als Antizipation einer Sprechakttheorie in Mittelalter und Früher Neuzeit". Seit 2011 ist er Professor für Lateinische Philologie (mit Schwerpunkt Lateinische Philologie des Mittelalters) am Institut für Griechische und Lateinische Philologie der Freien Universität Berlin.

 

Zum Vortrag

Die Academia Julia in Helmstedt besaß im ausgehenden 16. Jahrhundert eine der bemerkenswertesten Sammlungen an mittelalterlichen Handschriften, die Deutschland in dieser Zeit vorweisen konnte. Verantwortlich für diesen Bestand an Manuskripten waren vor allem die Säkularisationen der niedersächsischen Klöster gewesen, darunter Wöltingerode oder Marienberg, die Herzog Julius in die Wege geleitet hatte. Es war zuvorderst die Professorenschaft der Universität Helmstedt, die von ihm Ge-brauch machte. Für diese Gelehrten mussten die Handschriften daher auch das Fundament ihrer eigenen Studien bilden, damit aber auch der Werke, die sie mit Hilfe dieses Bestandes verfasst hatten. Wie aber schlug sich die Kollektion vor Ort in den Arbeiten der heimischen Professoren nieder? Welche Schwerpunktsetzungen brachte sie mit sich? Unser Vortrag möchte sich diesen Fragen annehmen: Zumindest einige der Professoren veranlasste die Lektüre der niedersächsischen Materialien dazu, die oft stark konfessionell geprägt Perspektive auf das Mittelalter hinter sich zu lassen und einem weniger voreingenommenen Blick auf die Zeit vor 1500 Raum zu geben. Viele am Mittelalter und seinen Überlieferungen, seinen Historikern, seiner Literatur und seinen Realien interessierte Professoren ließen sich in Helmstedt benennen, darunter Herman Conring oder Johannes Andreas Schmidt. Zwei Gestalten sollen hier besonders herausgegriffen werden, Polycarp Leyser IV., der Begründer der mittellateinischen Philologie, dessen Nachlass in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek liegt, und Johann Georg Leuckfeld, dessen Klostergeschichten das Bild des mittelalterlichen Niedersachsens ebenfalls nachhaltig verändern sollten.

 

 

 

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