Vortragsveranstaltung vom 23. November 2018

 

Freitag, den 23. November 2018, 17:00 Uhr.

Prof. Dr. Eberhard Knobloch (Berlin):

Leibnizens Konzept einer ars characteristica generalis oder ars combinatoria: Leibniz'sche Beispiele.

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Waterloostr. 8, 30169 Hannover.

Eintritt frei.

Referent

Eberhard Knobloch, geb. 1943, studierte Mathematik, Klassische Philologie, Wissenschafts- und Technikgeschichte. 1976 habilitierte er sich für Geschichte der Mathematik und der exakten Naturwissenschaften. Von 1976 bis 2008 war er Projektleiter der Leibniz-Edition an der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen für Leibniz' Mathematischen Schriften (Reihe VII), seit 2001 ist er Projektleiter für die Naturwissenschaftlich-medizinisch-technischen Schriften (Reihe VIII) sowie seit 2007 Projektleiter für die Politischen Schriften (Reihe IV) der Leibniz-Edition an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Neben der Leibniz-Edition betreute er auch die Tschirnhaus-Edition der Sächsischen Akademie der Wissenschaften und wirkte an der Kepler-Edition mit. Von 1980 bis 2009 war er Professor für Geschichte der exakten Wissenschaften und der Technik an der Technischen Universität Berlin, ab 2002 zugleich Akademieprofessor für dieses Fach an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW). Er ist Mitglied mehrerer deutscher und internationaler Akademien der Wissenschaften. Er veröffentlichte mehr als dreihundert Aufsätze bzw. Bücher zur Wissenschafts- und Technikgeschichte und ist Mitglied in den Herausgebergremien von sechzehn internationalen Zeitschriften, darunter den Studia Leibnitiana. Seine wissenschaftlichen Interessen gelten vor allem der Geschichte und Philosophie der mathematischen Wissenschaften und der Renaissancetechnik.

 

 

 

Zum Vortrag

Bereits im Dialog zur Einführung in die Arithmetik und Algebra (1676) stellte Leibniz sein Konzept einer symbolischen Algebra vor, die der ars combinatoria nachgeordnet ist. Im Briefwechsel mit Tschirnhaus führte er seine Idee einer ars characteristica generalis oder ars combinatoria näher aus. Er stellte ihre Leistungsfähigkeit für das Malen unserer Gedanken heraus, den engen Zusammenhang von Zeichen- und Wissenschaftstheorie. Algebra diente ihm als Modell, sie war der Prüfstein für die Vervollkommnung der ars characteristica. Seine Studien zu symmetrischen Funktionen zeigen idealtypisch alle Vorteile dieses Konzepts: Zerlegung in einfachere Begriffe (elementarsymmetrische Funktionen), Gleichförmigkeit, Tafeln, Bildungsgesetze. Die Ausführungen zu Potenzsummen zeigen, wie er schrittweise geeignete Zeichensysteme entwickelte.

 

 

Vortragsveranstaltung vom 25. Oktober 2018 (in Verbindung mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek)

Vortragsreihe – Die Sintflut im Denken um 1700

 

Donnerstag, den 25. Oktober 2018, 17:00 Uhr.

Prof. Dr. Wenchao Li (Potsdam):

War die Sintflut ein lokales Ereignis? Chinesische Geschichte versus biblische Überlieferung.

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Waterloostr. 8, 30169 Hannover.

Eintritt frei.

[Abb.: Der chinesische Urkaiser Fuxi (mutmaßlich 3. Jtsd. v. Chr.) vor einem Trigramm. Zeichnung von Guo Xu (1456 – ca. 1529), 1503. Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Guo_Xu_album_dated_1503_(1).jpg]

 

Referent

Wenchao Li, geb. 1957 in der chinesischen Provinz Shaanxi, studierte Germanistik, Philosophie, Linguistik und Politologie in Xi'an, Beijing, Heidelberg und Berlin. Nach Promotion und Habilitation an der Freien Universität Berlin war er in Lehre und Forschung an deutschen und chinesischen Universitäten tätig. Von 2010 bis 2017 hatte er die Leibniz-Stiftungsprofessur der Leibniz Universität Hannover inne. Seit 2007 ist er Leiter der Leibniz-Editionsstelle Potsdam der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die Leibniz' Politische Schriften (Reihe IV der Akademie-Ausgabe) herausgibt. Er ist u.a. Mitglied im Leitungskomitee der Fédération Internationale des Societés de Philosophie (FISP) sowie seit 2017 Vizepräsident der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft.

 

Zum Vortrag

Die Entdeckung der chinesischen Frühgeschichte im 17. Jahrhundert durch die Europäer drohte den überlieferten Rahmen ihrer biblischen Chronologie zu sprengen: das angebliche hohe Alter der chinesischen Sprache (ver)führte daher nur allzu leicht zu der Annahme, dass die Chinesen sich am Bau des Turms von Babel nicht beteiligt hatten. War die Sintflut deshalb letztlich nur ein lokales Ereignis? Und lässt sich anhand der chinesischen Sprache die ge-meinsame Sprache der Menschheit vor der babylonischen Verwirrung rekonstruieren? Der Vortrag be-handelt diese äußerst gelehrsame sowie zugleich kuriose und retrospektiv geradezu abstrus erscheinende Diskussion im Europa der Leibniz-Zeit im historischen Kontext und versucht dennoch deren aktuelle Bedeutung herauszuarbeiten.

Vortragsveranstaltung und Buchvorstellung vom 10. Oktober 2018 (in Verbindung mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek)

Mittwoch, den 10. Oktober 2018, 17:00 Uhr.

Prof. Dr. Heiko Droste (Stockholm):

Das Geschäft mit Nachrichten. Ein barocker Markt für soziale Ressourcen.

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Waterloostr. 8, 30169 Hannover.

Eintritt frei.

 

Referent

Prof. Dr. Heiko Droste, geb. 1963, studierte Geschichte, Bibliothekswissenschaft und Politische Wissenschaft an der Universität Köln. Nach der Promotion 1994 widmete er sich Studien zur schwedischen, baltischen und deutschen Geschichte im 17. Jahrhundert. Seit 2015 ist er Professor für Stadtgeschichte an der Universität Stockholm.

 

Zum Vortrag

Eine Nachricht ist ein aktueller Bericht über publike oder partikuläre Ereignisse. Der Tausch von Nachrichten in Form von Korrespondenzen gehört seit der Antike zur Kultur der Freundschaft: Korrespondenzen begründen und verstärken soziale Beziehungen auf Gegenseitigkeit. Nachrichten sind somit Grundlage eines sozialen Kredits, der als eine Ressource genutzt werden kann - sie sind ein Geschäft. In seinem Vortrag analysiert Prof. Dr. Heiko Droste dieses Geschäft mit Nachrichten als Teil eines Marktes für soziale Ressourcen im 17. Jahrhundert. Mitglieder von Funktionseliten tauschten Nachrichten gegen Teilhabe an Netzwerken sowie Partizipation an Herrschaft ein. Die gegenseitige Korrespondenz war damit ein Medium der Vergesellschaftung dieser Eliten, zumal im Brief räumliche und soziale Distanzen überwunden wurden. Dieser Markt war Voraussetzung für die Entstehung des öffentlichen Nachrichtenwesens.

 

 

Vortragsveranstaltung vom 27. September 2018 (in Verbindung mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek)

Vortragsreihe – Die Sintflut im Denken um 1700

 

Donnerstag, den 27. September 2018, 17:00 Uhr.

Prof. Dr. Michael Kempe (Hannover):

Tod des Feuersalamanders. Sintflut, Erdgeschichte und Entwicklung des Lebens bei Gottfried Wilhelm Leibniz.

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Waterloostr. 8, 30169 Hannover.

Eintritt frei.

Abb.: Haifischkopf mit versteinerten Haifischzähnen (Glossopetrae), nach der Vorlage von Stenos Prodromus (1669), aus: Gottfried Wilhelm Leibniz, Protogaea, Göttingen 1749, Tafel VII (GWLB: Leibn. 212).

Referent

Michael Kempe, geb. 1966, studierte Geschichte und Philosophie an der Universität Konstanz und am Trinity College in Dublin. Nach seiner Promotion über die Sintfluttheorie des Leibniz-Korrespondenten Johann Jakob Scheuchzer war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt/M. und wissenschaftlicher Assistent an der Universität St. Gallen. Nach seiner Habilitation über Piraterie und Völkerrecht in der frühen Neuzeit (2009) arbeitete er als wissenschaftlicher Koordinator am Konstanzer Exzellenzcluster "Kulturelle Grundlagen von Integration", seit November 2011 ist er Leiter des Leibniz-Archivs und der Leibniz-Forschungsstelle Hannover und seit April 2013 außerplanmäßiger Professor an der Universität Konstanz.

 

 

Zum Vortrag

Wie alt ist unsere Erde? Auf welche Weise hat sich das Leben auf diesem Planeten entfaltet und wie wird es sich in der Zukunft weiterentwickeln? Der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) gibt auf diese Fragen erstaunlich moderne Antworten und weicht damit von der zu seiner Zeit in Europa vorherrschenden christlichen Auffassung zu Schöpfung und Erdgeschichte grundlegend ab. Im Mittelpunkt von Leibniz' Beschäftigung mit Erdgeschichte und Geologie steht dabei der Versuch einer wissenschaftlichen Deutung der von Moses beschriebenen Sintflut, woraus ebenfalls eine kritische Haltung gegenüber wörtlichen Bibelauslegungen deutlich wird. Leibniz' Beschäftigung mit der Sintflut zeigt den Wandel theologischer Denkmuster in den Erdwissenschaften um 1700 und markiert eine wichtige Etappe in der Ideengeschichte der Evolution vor Charles Darwin. Indem der Vortrag diesen Gedankenzusammenhang ausbreitet, kommen neben bekannten Texten, wie der "Protogaea", auch bislang wenig beachtete Schriften und Briefe von Leibniz zur Sprache.

Vortragsveranstaltung vom 23. August 2018 (in Verbindung mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek)

Vortragsreihe – Die Sintflut im Denken um 1700

 

Donnerstag, den 23. August 2018, 17:00 Uhr.

Dr. Stephan Waldhoff (Potsdam):

Ein Ausbruch aus der kleinen Welt des heiligen Buches? Präadamiten und Sintflut.

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Waterloostr. 8, 30169 Hannover.

Eintritt frei.

[La Peyrère, Isaac de, Praeadamitae. [Paris] 1655. Bayerische Staatsbibliothek München, 4 Exeg. 691-1, Abb. nach S. 68, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10354438-7]

Referent

Stephan Waldhoff, geboren 1964, nach Studium der Geschichte und katholischen Theologie in Münster und Tübingen sowie Promotion in Münster 1996-1998 Archivreferendar und anschließend wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Seit 2000 als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Leibniz-Edition Potsdam an der Edition von Leibniz' Politischen Schriften (Reihe IV der Akademie-Ausgabe) beteiligt. Veröffentlichungen zur frühmittelalterlichen Frömmigkeits- und Liturgiegeschichte, zum Urkunden- und Kanzleiwesen des Deutschen Ordens und des Herzogtums Preußen, zu Sebastian Franck, zur preußischen Bauverwaltung im späten 18. und frühen 19. Jh. und zu Leibniz.

 

 

Zum Vortrag

Mit den Entdeckungsfahrten der Neuzeit und dem hohen Interesse an der alten Kultur Chinas scheint die "kleine Welt des heiligen Buches" (Jacques Solé) ihre Plausibilität endgültig verloren zu haben. Als eine Antwort auf diese Herausforderung wirkt die Präadamiten-Hypothese des französischen Protestanten Isaac de La Peyrère (1596-1676): Adam sei nicht der erste Mensch gewesen, vielmehr nur der Stammvater des jüdischen Volkes. Es habe bereits vor Adam Menschen (Präadamiten) gegeben, und der Horizont der Bibel beschränke sich auf den Vorderen Orient, womit die Sintflut zu einem regionalen Ereignis wird. Kein Wunder, dass diese Hypothese bei Orthodoxen aller Konfessionen auf heftigsten Widerstand stieß. Aber auch Leibniz lehnte sie entschieden ab. Betrachtet man de La Peyrères Argumentation jedoch genauer, muss man feststellen, dass der Wandel vom biblischen zum modernen Weltbild so einfach und geradlinig nicht war, wie er in der Rückschau erscheinen mag.

Vortragsveranstaltung vom 26. Juli 2018 (in Verbindung mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek)

Athanasius Kircher: Turris Babel, Amsterdam 1679, S. 38.

Vortragsreihe – Die Sintflut im Denken um 1700

 

Donnerstag, den 26. Juli 2018, 17:00 Uhr.

Dr. Frank Böhling (Berlin):

Von Babel nach Latium. Die Urgeschichte Italiens nach Athanasius Kircher.

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Waterloostr. 8, 30169 Hannover.

Eintritt frei.

 

Referent

Frank Böhling studierte Philosophie, Klassische Philologie, Geschichte und Japanologie an der FU Berlin und promovierte bei Wilhelm Schmidt-Biggemann über Samuel Pufendorfs Naturrecht. 2010-2015 Mitarbeit an der kommentierten Reprintausgabe der Hauptwerke von Athanasius Kircher. Sein Interessenschwerpunkt ist das 17. Jahrhundert, dazu die Beschäftigung mit der arabisch-hebräischen Überlieferung griechischer Philosophie an das lateinische Mittelalter.

 

Zum Vortrag

Wie sah die Urgeschichte der Menschheit aus? In welcher Beziehung stehen die frühen Kulturen zueinander? Im 17. Jahrhundert verliert, während das Interesse an diesen Fragen stetig wächst, wie z.B. die archäologische Begeisterung zeigt, der biblische Bericht, der die Nachkommen Noahs die Erde besiedeln lässt, an Glaubwürdigkeit. Für den Jesuiten und Universalgelehrten Athanasius Kircher sind Neugier und Frömmigkeit aber kein Widerspruch, was Werke wie Latium (1669), Arca Noë (1675) und Turris Babel (1679) belegen.

Vortragsveranstaltung vom 31. Mai 2018 (in Verbindung mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek)

Copyright: GWLB Hannover, LBr 947, Bl. 66

Donnerstag, den 31. Mai 2018, 17:00 Uhr.

Dr. Regina Stuber (Hannover):

Johann Christoph von Urbich (1653-1715): Ein Leibniz-Korrespondent in diplomatischen Missionen zwischen Fürsten, Königen, Kaiser und Zar.

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Waterloostr. 8, 30169 Hannover.

Eintritt frei.

 

Referentin

Dr. Regina Stuber studierte Slavistik, Germanistik und Wissenschaftsgeschichte in Regensburg, Bordeaux und Nancy und ist seit 2000 wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Edition von Gottfried Wilhelm Leibniz, Sämtliche Schriften und Briefe. Allgemeiner, politischer und historischer Briefwechsel (Reihe I der Akademieausgabe), die bei der Leibniz-Forschungsstelle der Göttinger Akademie der Wissenschaften an der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek angesiedelt ist.

 

Zum Vortrag

Johann Christoph von Urbich (1653-1715) war als Diplomat meist in Wien am Hof des Kaisers tätig sowie als dänischer / russischer Gesandter und für Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel - um nur seine wichtigsten Dienstverhältnisse zu nennen. Seine umfangreiche Korrespondenz, in der Nachrichten aus London, Moskau, Konstantinopel, Venedig etc. übermittelt wurden, erlaubt neue Einblicke in die Diplomatiepraxis um 1700.

Vortragsveranstaltung vom 19. April 2018 (in Verbindung mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek)

[Copyright: Österreichische Nationalbibliothek, Inventarnr. PORT_00052601_01, www.bildarchivaustria.at/Preview/4924939.jpg]

Donnerstag, den 19. April 2018, 17:00 Uhr

Dr. Ines Peper (Wien):

"Sie hat die Gemeinde, nicht den Gott gewechselt": Die Konversion der späteren Kaiserin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel als interkonfessionelles Experiment.

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Waterloostr. 8, 30169 Hannover

Eintritt frei

 

Referentin

Dr. Ines Peper studierte Geschichte und Kunstgeschichte in Graz und Wien. Seit 2008 ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Wien an der Edition der gelehrten Korrespondenz der Brüder Bernhard und Hieronymus Pez beteiligt; der Schwerpunkt ihrer Forschungsinteressen liegt im Bereich der interkonfessionellen Beziehungen sowie der Gemeinschaftsforschung.

 

Zum Vortrag

Die Inschrift "Sie hat die Gemeinde, nicht den Gott gewechselt" ("coetum non numina mutat") findet sich auf einer Gedenkmünze, die anlässlich des Übertritts Elisabeth Christines von Braunschweig-Wolfenbüttel zur katholischen Kirche im Jahr 1707 geprägt wurde. Die Konversion war eine Vorbedingung für die Eheschließung der Prinzessin mit dem späteren Kaiser Karl VI., der damals noch als König Karl III. im Kampf um die spanische Krone stand. Der von evangelischen und katholischen Geistlichen gemeinsam konzipierte Konversionsunterricht war wesentlich geprägt vom Leibniz'schen Plan zur Wiedervereinigung der beiden Kirchen und bemühte sich um den Nachweis, dass diese in allen fundamentalen theologischen Lehren übereinstimmten. Der Vortrag ordnet diese Überzeugungen, die in diesem konkreten Fall auch für die öffentliche Rechtfertigung der Konversion herangezogen wurden, in zeitgenössische Auseinandersetzungen um das Verhältnis der Konfessionen und in die politischen und dynastischen Zusammenhänge der Konversion und Hochzeit ein und berücksichtigt dabei insbesondere auch die Leibnizkorrespondenz.

Vortragsveranstaltung vom 13. März 2018 (in Verbindung mit der Juristischen Studiengesellschaft Hannover)

Dienstag, den 13. März 2018, 19:30 Uhr

Regionspräsident Hauke Jagau (Hannover):

Politische Gestaltung in Zeiten verrechtlichter Gesellschaft ‒ Passen gesellschaftliche Vorstellungen und normative Grundlagen für kommunale Akteure noch zusammen?

Haus der Region Hannover, Hildesheimer Str. 18, 30169 Hannover

Eintritt frei

 

Referent

Regionspräsident Hauke Jagau, geboren 1961, studierte an der Leibniz Universität Hannover Rechtswissenschaften. Der Volljurist war von 1989 bis 1990 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der SPD-Landtagsfraktion Niedersachsen. Von 1990 bis 1994 war er als Referatsleiter für Öffentlichkeitsarbeit, Presse-, Rundfunk- und Fernsehangelegenheiten und als Kabinetts- und Parlamentsreferent im Niedersächsischen Justizministerium tätig, von 1994 bis 1996 als Referent in den Bereichen Presse- und Medienrecht, Staats- und Verfassungsrecht in der Niedersächsischen Staatskanzlei. Ab November 1996 war er hauptamtlicher Bürgermeister der Stadt Laatzen in der Region Hannover. Seit 1. November 2006 ist er Regionspräsident der Region Hannover.

 

Zum Vortrag

Viele Lebensbereiche erleben eine zunehmende Verrechtlichung, die Gründe hierfür sind vielfältig. Nicht nur die gesetzlichen Grundlagen schränken die kommunalpolitischen Akteure ein, auch die Rechtsprechung setzt zunehmend kleinteilige Grenzen. Im Vortrag wird anhand von Beispielen aus der Praxis ein lebendiger Einblick vermittelt, wie sich rechtliche Grundlagen und gesellschaftliche Erwartungen oftmals diametral entgegenstehen und welche Folgen sich für das gesellschaftliche Bild von Politikern ergeben. In einem kleinen Exkurs wird auch die Rolle der sozialen Medien in diesem Prozess beleuchtet.

Vortragsveranstaltung vom 7. März 2018

Katsushika Hokusai (1760-1849), „Kuckuck und Regenbogen“

Mittwoch, den 7. März 2018, 17:00 Uhr

Prof. Dr. Tsuyoshi Matsuda (Kobe):

Traum und Regenbogen – Eine leibnizsche Betrachtung

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Waterloostr. 8, 30169 Hannover

Eintritt frei

 

Referent

Tsuyoshi Matsuda, geb. 1956, 1975-1985 Studium der Philosophie in Kyoto. 1989 Promotion in Philosophie als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdiensts an der Universität Osnabrück mit dem Thema Der Satz vom Grund und die Reflexion - Identität und Differenz bei Leibniz (veröffentlicht 1990). 2000 Gastforscher am Leibniz-Archiv Hannover. Seit 2003 Professor für Philosophie an der Universität Kobe. Zahlreiche englische und japanische Beiträge zur Philosophie und Umweltproblematik sowie Erkenntnistheorie bei Leibniz, u.a. eine Arbeit zur Perspektive des Antiskeptizismus (Tokyo 2003) sowie über die Philosophie des Ganzen und des Teils in Geschichte und Gegenwart (Tokyo 2014).

 

Zum Vortrag

Traum und Regenbogen finden sich als Paradigmen erkenntnistheoretischer und ontologischer Betrachtungen bei frühmodernen Philosophen, so nicht nur im Fall von Descartes, sondern auch von Leibniz. Der Vortrag handelt zunächst von einer Auslegung des "Traums eines Kalifen" in einem Brief von Leibniz an Simon Foucher (1675). Diese Episode ist ohne Zweifel bezogen auf eine bekannte Erzählung aus Tausendundeiner Nacht. In der Auseinandersetzung mit dem geläufigen cartesischen Traum-Argument aus den Meditationes können wir ontologische und kausale Aspekte eines leibnizschen Traum-Arguments verdeutlichen. Es schließt sich die Betrachtung einer Notiz von Leibniz über die Principles of Human Knowledge von Berkeley (1710) an mit der Problematik des Regenbogens als Modell für das Phänomen, um daran die realistische und sogar "naturalistische" Ebene der leibnizschen Philosophie aufzuzeigen.

Vortragsveranstaltung vom 1. März 2018 (in Verbindung mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek)

Copyright: Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek Hannover, LBr 264, Bl. 13-14.

Donnerstag, den 1. März 2018, 17:00 Uhr

Prof. Dr. Jan van Maanen (Utrecht):

Leibniz und die Niederlande

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Waterloostr. 8, 30169 Hannover

Eintritt frei

 

Referent

Prof. Dr. Jan van Maanen, geb. 1953, studierte Mathematik an der Universität Utrecht und promovierte dort über die Mathematik in den Niederlanden im 17. Jahrhundert, insbesondere über die Rezeption des Werkes La Géométrie von Descartes. Er war Gymnasiallehrer und ab 1991 Dozent an den Universitäten von Groningen und Utrecht. In Utrecht war er von 2006 bis 2012 Professor der Mathematikdidaktik und Leiter des Freudenthal Instituts. Seit seiner Emeritierung widmet er sich wieder verstärkt der Mathematikgeschichte.

 

Zum Vortrag

Leibniz hatte gute Kontakte zu Mathematikern in den Niederlanden. Aus der Zeit seines Aufenthalts in Paris kannte er Christiaan Huygens persönlich, und von 1673 bis 1694 gab es einen sehr inhaltsreichen Briefwechsel zwischen den zwei Großmeistern. Auch mit dem Schweizer Johann Bernoulli, der von 1695 bis 1705 an der Groninger Universität lehrte, wechselte Leibniz laufend wichtige Briefe. Neben diesen beiden treffen wir auch weniger bekannte Mathematiker, wie Joachim Nieustadt und Johan Jacob Ferguson. Mit Nieustadt versuchte Leibniz in Briefkontakt zu kommen, mit Ferguson war er persönlich bekannt und wechselte von 1680 bis 1684 mehrere Briefe. Zahlreiche Fragen drängen sich auf: Haben die Korrespondenzen gemeinsame Themen? Und die Korrespondenten, wie ähnlich oder verschieden sind sie? Was haben die Briefe für Leibniz bedeutet? Geben sie vielleicht auch Auskünfte über die Niederlande?

 

 

Vortragsveranstaltung vom 25. Januar 2018 (in Verbindung mit der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek)

Donnerstag, den 25. Januar 2018, 17:00 Uhr

Dr. Charlotte Wahl (Hannover):

Aderlässe: Zu den Leibnitiana in Göttingen und Gotha

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Waterloostr. 8, 30169 Hannover

Eintritt frei

 

Referentin

Charlotte Wahl promovierte in Reiner Mathematik an der Universität Göttingen. Nach Postdoc-Aufenthalten am Institut Henri Poincaré in Paris und am Department of Mathematics von Virginia Tech (USA) arbeitet sie seit 2006 bei der an der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek angesiedelten Leibniz-Forschungsstelle der Göttinger Akademie der Wissenschaften mit an der Edition von Gottfried Wilhelm Leibniz, Sämtliche Schriften und Briefe. Mathematischer, naturwissenschaftlicher und technischer Briefwechsel (Reihe III der Akademieausgabe).

 

Zum Vortrag

Nach Leibniz’ Tod wurde der Zugang zu seinem Nachlass lange äußerst restriktiv gehandhabt. So konnten sich die frühen Editionen von Leibniz’ Schriften und Briefen - zum Beispiel die sechsbändigen, von Louis Dutens 1768 herausgegebenen Opera omnia - kaum auf Material aus Hannover stützen. Trotzdem gelangten im 18. Jahrhundert größere Handschriftenkonvolute von Hannover nach Göttingen und Gotha, wo sie sich noch heute befinden. Im Vortrag wird der Weg dieser Konvolute nachgezeichnet, der auch Aufschluss gibt über eine gewandelte Ausleihpolitik an der hannoverschen Hofbibliothek. Außerdem wird auf weitere Leibnitiana - Bücher und Objekte − in Göttinger Beständen eingegangen.

 

 

 

 

Veranstaltungen seit 2016:

Dienstag, den 13. März 2018, 19:30 Uhr

Regionspräsident Hauke Jagau (Hannover)

"Politische Gestaltung in Zeiten verrechtlichter Gesellschaft ‒ Passen gesellschaftliche Vorstellungen und normative Grundlagen für kommunale Akteure noch zusammen?".

 

Mittwoch, den 07. März 2018, 17:00 Uhr

Prof. Dr. Tsuyoshi Matsuda (Kobe)

Traum und Regenbogen - eine leibnizsche Betrachtung.

 

Donnerstag, den 01. März 2018, 17:00 Uhr

Prof. Dr. Jan van Maanen (Utrecht)

Leibniz und die Niederlande.

 

Donnerstag, den 25. Januar 2018, 17:00 Uhr

Dr. Charlotte Wahl (Hannover)

Aderlässe: Zu den Leibnitiana in Göttingen und Gotha.

 

Donnerstag, 2. November 2017, 17:00 Uhr

Prof. Dr. Wilhelm Schmidt-Biggemann (Berlin)

Leibniz, Kircher und die Geschichte des Lullismus in der Frühen Neuzeit

 

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 17:00 Uhr

Dr. Sebastian Kühn (Hannover)

Streiten mit Leibniz. Über agonale Logiken der frühneuzeitlichen Gelehrtenkultur

 

Donnerstag, 14. September 2017, 17:00 Uhr

Buchpräsentation: Gottfried Wilhelm Leibniz: Briefe über China (1694–1716).
Die Korrespondenz mit Barthélemy Des Bosses S.J. und anderen Mitgliedern des Ordens

Vorgestellt durch die beiden Herausgeber Dr. Malte-Ludolf Babin und Dr. Rita Widmaier

 

Dienstag, 22. August 2017, 17:00 Uhr

Dr. Volker Bauer (Wolfenbüttel)

Ahnen, Wurzeln, Quellen. Ursprungsbilder in der Genealogie

 

Donnerstag, 29. Juni 2017, 17:00 Uhr

Buchpräsentation: Leibniz unterwegs in Niedersachsen. Auf den Spuren des Universalgenies

Vorgestellt durch die beiden Autoren Dr. Annette von Boetticher und Dr. Georg Ruppelt

 

Donnerstag, 18. Mai 2017, 17:00 Uhr

Buchpräsentation: Gottfried Wilhelm Leibniz / Kurfürstin Sophie von Hannover: Briefwechsel

Vorgestellt durch den Herausgeber Prof. Dr. Wenchao Li

 

Donnerstag, 27. April 2017, 17:00 Uhr

Dr. Eike Christian Hirsch (Hannover)

Leibniz, der wirksamste Reformer des evangelischen Glaubens seit Luther

 

Dienstag, 7. März 2017, 17:00 Uhr

Prof. Dr. Gábor Gángó (Budapest / Erfurt)

Leibniz und Osteuropa

 

Donnerstag, 23. Februar 2017, 17:00 Uhr

Prof. Dr. Alexander Košenina (Hannover)

Leibniz’ „Theodizee“ in der literarischen Kritik und Parodie

 

Donnerstag, 26. Januar 2017, 17:00 Uhr

Prof. Dr. Hans Poser (Berlin)

Leibniz und die Einheit der Wissenschaften

 

Donnerstag, 8. Dezember 2016, 17:00 Uhr

PD Dr. Mike Reich (München)

Leibniz’ „vergessene“ Fossiliensammlung – ein Polyhistor und die Paläontologie

 

Mittwoch, 16. November 2016, 17:00 Uhr

Prof. Dr. Michael Kempe (Hannover) / Dr. Regina Stuber (Hannover)

Der Gelehrte in der Kutsche: Reisestuhl, Reiseverbot, Reisen inkognito – unterwegs mit Leibniz

 

Donnerstag, 27. Oktober 2016, 17:00 Uhr

Prof. Dr. Vincenzo De Risi (Leipzig)

Leibniz’s Geometry and the Science of Space

 

Mittwoch, 21. September 2016, 17:00 Uhr

Prof. Dr. Wenchao Li (Hannover)

„Für so dumm und ungereimt halte ich sie nicht“ – Leibniz’ letzter Versuch, China zu verstehen

 

Dienstag, 22. März 2016, 19:30 Uhr

Prof. Dr. Paul Hoyningen-Huene (Hannover)

Berufsrollen zwischen Standesinteressen und öffentlichem Wohl

Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft e.V. c/o Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek
Niedersächsische Landesbibliothek Waterloostr. 8 30169 Hannover Deutschland
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