Leibniz-Jubiläum 2026

350 Jahre - Leibniz kommt nach Hannover

"Ich ziehe den Dienst in Hannover jeder Freiheit vor" (1678)

Copyright: Landeshauptstadt Hannover, www.hannover.de/leibniz

Mit Leibniz’ Ankunft in Hannover vor 350 Jahren begann ein neuer Abschnitt in seinem Leben. Sein Amt als Bibliothekar und Berater des Herzogs Johann Friedrich regte Leibniz zu neuen Plänen zur Verbesserung der Wirtschaft und Verwaltung des Staates an. Diese Tätigkeit deckte einen beachtlichen Teil seiner vielfältigen Interessen ab. Leibniz verfolgte aber darüber hinaus auch seine wissenschaftlichen Forschungen weiter. Auf den Gebieten der Mathematik, der Naturwissenschaften, der Philosophie, Theologie und Politik forschte und publizierte er, er entwarf technische Projekte und baute ein umfangreiches Korrespondenznetz auf. Diese fruchtbare Periode endete im Dezember 1679 mit dem Tod des Herzogs, und es war damals kaum zu erwarten, dass Leibniz lebenslang bis 1716 in den Diensten des Welfenhauses verbleiben würde.

Das Jubiläum zum Anlass nehmend sind in der zweiten Jahreshälfte 2026 unter Förderung der VGH-Versicherungen vielfältige Veranstaltungen geplant.

 

MITTWOCH, den 17. Juni 2026, 18.00 Uhr

Aufführung des Schauspiels „Ankunft“ – dargestellt von Schülerinnen und Schülern der Leibnizschule Hannover in Zusammenarbeit mit Vertreterinnen und Vertretern des Hannoveraner Kulturlebens.

Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis 


MITTWOCH, den 1. Juli 2026, 15.00 Uhr

Festvortrag anlässlich Leibniz' 380. Geburtstag

PROF. DR. MICHAELA HOHKAMP (HANNOVER):
Mixed matches: adelige Politiken zwischen dynastischer Kohäsion und standesübergreifender Vernetzung im 17. und 18. Jahrhundert

Musikalische Begleitung: Henriette Otto-Dierßen

Leibnizhaus, Holzmarkt 5, 30159 Hannover
Eintritt frei.


DONNERSTAG, den 13. August 2026, 18.00 Uhr

Sommerakademie Herrenhausen 2026

PROF. DR. WENCHAO LI (BERLIN/HANNOVER):
Der Garten von Gottfried Wilhelm Leibniz

Berggartenhaus, Herrenhäuser Str. 4, 30419 Hannover
Eintritt frei. Einlass ab 17.30 Uhr

22. Leibniz Festtage 2026, 3. September bis 11. Dezember 2026

PROGRAMM (PDF)


DONNERSTAG, den 15. Oktober 2026, 17.00 Uhr

Online-Vortrag in englischer Sprache

DR. AUDREY BOROWSKI (CAMBRIDGE):
Leibniz, a Projector for the Early Modern Age

Anmeldung unter: info[at]leibnizgesellschaft.de – Nach Anmeldung erhalten Sie die Zugangsdaten am Tag vor der Veranstaltung


DONNERSTAG, den 19. November 2026, 15.00-19.00 Uhr

UNESCO Welttag der Philosophie 2026

in Zusammenarbeit mit der Leibniz-Forschungsstelle Hannover und mit Studio Artistico in der Reihe Treffpunkt Ästhetik 2026: philosophisch denken, gefördert durch das Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover

Vortragssaal der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Waterloostr. 8, 30169 Hannover. Eintritt frei.

Geplant sind folgende Vorträge:

Dr. Annette von Boetticher (Hannover):
Leibniz und die „Wolfenbütteler Wissenschaftsszene“

Prof. Dr. Peter Nickl (Regensburg/Hannover):
Leibniz und die Heiligen

Prof. Dr. Stefania Centrone (München):
Leibniz und Gott


FREITAG, den 27. November 2026, 17.00 Uhr

Jahresvortrag der G.-W.-Leibniz-Gesellschaft (im Anschluss an die Mitgliederversammlung)

PROF. DR. WENCHAO LI (BERLIN/HANNOVER):
Vivat - crescat - floreat. Vortrag zum 60-jährigen Bestehen der G.-W.-Leibniz-Gesellschaft

Vortragssaal der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Waterloostr. 8, 30169 Hannover. Eintritt frei

FREITAG, den 27. November 2026, 18.00 Uhr

Prof. Dr. Thomas Leinkauf (Münster): Spiegelungen des Liebesbegriffs in Leibniz’ Denken 

Ort: Leibnizsaal der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis

Studio Artistico in Kooperation mit der Gottfried Leibniz Gesellschaft, gefördert durch das Kulturbüro der Landeshauptstadt Hannover in der Reihe Treffpunkt Ästhetik 2026: philosophisch dichten


Internationale Tagung zum 350. Jubiläum von Leibniz' Ankunft in Hannover im Dezember 1676

Vom 9. bis 11. Dezember 2026 findet im Vortragssaal der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek eine Internationale Tagung zum 350. Jubiläum von Leibniz’ Ankunft in Hannover im Dezember 1676 statt. Eine Präsenz-Teilnahme ist möglich. Anmeldung (bis zum 1. Dezember 2026) unter: info[at]leibnizgesellschaft.de

Im Rahmen dieser Veranstaltung ist für den 10. Dezember, ab 17.15 Uhr, ein öffentlicher Abendvortrag vorgesehen. Es spricht Prof. Dr. Ursula Goldenbaum (Atlanta, GA) zum Thema: Ein Rationalist an Johann Friedrichs Hof. Leibniz’ erste Jahre in Hannover. Weitere Informationen werden noch rechtzeitig bekanntgegeben.

Programm (Stand Juni 2026)

Mittwoch, 09.12.2026

14:30-18:15

14:30: Eröffnung und Einführung

15:00: Hans-Georg Aschoff (Hannover): Der hannoversche Hof unter Herzog Johann Friedrich (1665-1679)

Die Förderung von Wissenschaft und Kultur gehörten zum Selbstverständnis des absolutistischen Fürsten der Barockzeit. Sie waren ein Mittel, um das Ansehen seines Hofes zu erhöhen und damit auch seinen politischen Einfluss auszuweiten. Eine derartige Politik verfolgte auch Herzog Johann Friedrich, der 1665 die Regierung im Fürstentum Calenberg-Göttingen-Grubenhagen mit der Residenz Hannover übernahm. Er zog nicht nur bedeutende Wissenschaftler, wie Gottfried Wilhelm Leibniz und Niels Stensen, an seinen Hof, sondern begründete auch unter den Hofkapellmeistern Antonio Sartorio und Vincenzo de Grandis eine Hofkapelle von hohem künstlerischem Rang. Johann Friedrich ließ Erweiterungen am Stadtschloss in Hannover vornehmen und legte die Grundlage für die Sommerresidenz und die Gärten in Herrenhausen. Seine Konfessionszugehörigkeit stärkte katholische Elemente an seinem Hof, ohne dass der Herzog als katholischer Fürst Zwang zur Konversion auf seinen Hofstaat und seine Untertanen ausübte; vielmehr brachte er den ökumenischen Bestrebungen seiner Zeit ein großes Interesse entgegen.

15:45: Michaela Hohkamp (Hannover): Johann Friedrich (1625-1679) und seine Politiken in der Fürstengesellschaft des 17. Jahrhunderts

16:30: Pause

16:45: Maren Schäfer (Hannover): Die Welfen und ihre Verwandten: ein Streitfall?

Der Erbkonflikt zwischen dem katholischen Johann Friedrich von Braunschweig-Lüneburg und seinem protestantischen Bruder Georg Wilhelm im Jahr 1665 barg das Potenzial eines erneuten Religionskrieges. Den am Konflikt beteiligten Akteurinnen und Akteuren standen verschiedene Optionen der Kompromissfindung offen, der Erbstreit konnte schließlich durch Vermittlungsbemühungen beigelegt werden. Die Welfen und ihre Verwandten im deutschen fürstlichen Adel des Heiligen Römischen Reiches griffen auf verschiedene Handlungsoptionen zurück, wenn es innerhalb von Dynastien zu Konflikten kam. Bisher nicht systematisch untersucht ist die Gefangennahme von Familienmitgliedern, die sich für fast jede fürstliche Dynastie zwischen 1400 und 1800 nachweisen lässt.

The succession dispute between the Catholic Johann Friedrich of Brunswick-Luneburg and his Protestant brother Georg Wilhelm in 1665 held the potential to spark another religious war. The parties involved in the conflict had various options for reaching a compromise, and the succession dispute was ultimately settled through mediation efforts. The Guelphs and their relatives among the German princely nobility of the Holy Roman Empire resorted to various courses of action when conflicts arose within dynasties. One of those, the imprisonment of family members, can be documented for almost every princely dynasty between 1400 and 1800, and has not yet been systematically investigated.

17:30: Stephan Meder (Hannover): Leibniz als Rechtspraktiker: Die juristischen Gutachten im Spiegel seiner Rechts- und Staatsphilosophie

Donnerstag, 10.12.2026

 9:30: Corentin Durand (Paris): Ordonner les écritures pour servir le prince. Une idée des archives chez Leibniz (1677-1679)

Leibniz n’a jamais occupé la charge d’archiviste auprès du duc de Hanovre. Néanmoins dans une dizaine de lettres et mémoires rédigés après son retour, il expose sa volonté de se mettre au service de Johann Friedrich, au-delà de la seule bibliothèque ducale qu’il considère trop hors du monde qu’il a parcouru. Au début de l’année 1677, à l’automne 1678 et au premier semestre 1679, il exprime son désir de se rendre « utile au public ». Ses idées justifiant la nécessité de fonder l’office d’un Archivariat rattaché à l’administration présentent une méthode pour accéder aux informations et à la connaissance. Leibniz définit une science générale qui ne peut séparer raisonnement théorique et expérience de terrain. Le besoin d’une gestion efficace des mines du Harz le conduit en effet à répondre par une pratique qu’il inscrit dans les archives. En cela, la mise en ordre de connaissances de toute nature est nécessaire : la Registratur s’institue comme un outil pour l’historiographie, la science et la bonne gouvernance.

 

10:15: Margherita Palumbo (Rom): Ein ehrgeiziger Bibliothekar am Ufer der Leine: Leibniz’ Pläne für die herzogliche Bibliothek

Der Vortrag beleuchtet den Beginn von Leibniz’ Karriere im Jahr 1676 als Hofbibliothekar in Hannover. Dabei werden die Erwartungen des Herzogs Johann Friedrich an diese Stellung sowie Leibniz’ eigene, zweifellos weitaus ehrgeizigere Vorstellungen dargelegt. In diesem Sinne soll untersucht werden, welche Vorbilder Leibniz bei Aufnahme seiner Tätigkeit in Hannover vor Augen hatte – insbesondere vor dem Hintergrund seiner Pariser Erfahrungen – und wie er in den ersten Jahren versuchte, seine Rolle als Hofbibliothekar neu zu definieren und zugleich die Grenzen dieses Metiers zu überwinden.

11:00: Pause

11:15: Andreas Blank (Paderborn / Klagenfurt): Indignatio und dignitas in diplomatischen Beziehungen: Leibniz’ De iure suprematus und naturrechtliche Theorien, 1620-1660

Die Rolle negativer moralischer Emotionen in der frühneuzeitlichen politischen Theorie findet wachsende Aufmerksamkeit in den letzten Jahren. Zu diesen Emotionen gehören Zorn, Scham, Ressentiment, Verachtung und Indignation. In Leibniz’ De iure suprematus ac legationis (1677) tritt indignatio an mehreren Stellen als ein Faktor auf, der die Funktionen diplomatischer Beziehungen beeinträchtigt. Welches Verständnis von indignatio liegt den Überlegungen von Leibniz zugrunde? Die Frage ist erstaunlich schwierig zu beantworten, weil Leibniz die Natur dieser Emotion nicht ausdrücklich thematisiert. Es bleibt nur, indignatio in einem Begriffsfeld zu verorten, zu dem dignitas, fama, und reputatio gehören. In dieser Absicht wird der Vortrag einen komparativen Ansatz verfolgen. Leibniz zitiert ausgiebig einen der Pioniere des deutschen öffentlichen Rechts, Johannes Limnaeus, und war in der Zeit um 1677 in ständigem Kontakt mit einem weiteren führenden Gelehrten in diesem Feld, Hermann Conring. Die Schriften von Limnaeus und Conring öffnen ihrerseits ein Fenster auf naturrechtliche Theorien in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, wie diejenigen von Henning Arnisaeus, Dominik Arumaeus, Christoph Besold und Arnold Clapmarius. Diesen Autoren ist gemeinsam, dass sie die Frage nach dem Gesandtschaftsrecht der Reichsstände mit dem Feld um den Begriff der Indignation verknüpfen. Leibniz nimmt begriffliche Verknüpfungen auf, die sich in der früheren Naturrechtstradition herausgebildet haben. Dabei stellt sich ein Verständnis von dignitas als zentral heraus, das sich aus der Erfüllung naturrechtlicher Funktionen in politischen Gemeinschaften herleitet. Indignatio wurde als eine zentrale moralische Emotion in diplomatischen Beziehungen verstanden, weil sie Verletzung des Gefühls von dignitas im genannten Sinn anzeigt.

12:00: Mittagspause

13:30: Hartmut Rudolph (Hannover): Ein Ökumeniker kommt nach Hannover

Im Gepäck des Neuankömmlings am Hof Johann Friedrichs befand sich ein mit äußerster Diskretion behandelter plan d’un ouvrage important, den Leibniz acht Jahre zuvor am Mainzer Hof entworfen hatte (A VI,1 N. 14) und dessen Umsetzung ihn dauerhaft beschäftigen sollte. Die ersten Jahre in Hannover erschienen ihm als eine günstige „Konjunktur“, in seinen Zielen voranzukommen. So scheint Leibniz beabsichtigt zu haben, den Plan Johann Friedrich bei sich bietender Gelegenheit zu erläutern, wovon zwei Entwürfe eines Briefes an den Herzog 1679 zeugen (A II,1² N. 213). Diese wie auch den Plan selbst hat die Forschung, abgesehen von rudimentären Hinweisen seit Anfang des vorigen Jhs., erst seit den 1990er Jahren genauer in den Blick genommen. Im Beitrag wird versucht, weitere Konsequenzen aufzuzeigen für unser Verständnis von Leibniz, von den Motiven seines Handelns, vom Ziel, das er sich selbst gesetzt hat, und von der Bestimmung dessen, was die vielfältigen Zweige seiner intellektuellen wie seiner praktisch-politischen Bemühungen im Innersten zusammenhält.

14:15: Michael Kempe (Hannover): Vergessene Gespräche. Leibniz und Nicolaus Steno über Freiheit, Notwendigkeit und die Tiefen der Erdgeschichte, 1677-1680 / Forgotten Conversations: Leibniz and Nicolaus Steno on Freedom, Necessity, and the Deep Time of Earth's History, 1677-1680

Als Nicolaus Steno (Niels Stensen, 1638-1686) im November 1677 als Titularbischof nach Hannover kam und dort bis Sommer 1680 blieb, hatte Leibniz einen für die fruchtbare frühe hannoversche Phase bedeutenden Gesprächspartner gefunden. Nachweislich führte er mit ihm in diesem Zeitraum zahlreiche Unterhaltungen über Philosophie, Theologie und Geologie. Bis heute sind diese Unterredungen weitgehend unbekannt beziehungsweise nur wenig erforscht. Dabei werfen sie ein entscheidendes Licht auf Leibniz’ produktives, kreatives Schaffen in dieser Periode. In Auseinandersetzung mit Steno – wovon Gesprächsnotizen, Marginalien von Steno in Leibniz’ Manuskript zur Confessio philosophi und Lesespuren von Leibniz in Stenos nicht weniger berühmter Schrift De solido intra solidum zeugen – entwickelte Leibniz nicht nur sein philosophisches Verständnis des Freiheitsbegriffes entscheidend weiter. Darüber hinaus entfaltete er mit seinem Gesprächspartner Gedanken zu Geologie und Erdgeschichte, die weit über das hinausgingen, was in dieser Zeit von kirchlicher Seite offiziell geäußert werden durfte, und bereits Ideen enthielten, die in Richtung späterer Evolutionstheorien vorauswiesen.

15:00: Pause

15:30: Arnaud Pelletier (Brüssel): After Paris: Leibniz and the Many Arts of Demonstration

Around 1677–1678, Leibniz introduces a series of lexical innovations (regio idearum, Scientia Generalis, necessitas a parte rei, gradus realitatis) while also reworking earlier expressions, such as the “alphabet of human thoughts,” which he had already sketched in a letter to Duke Johann Friedrich in 1671. This paper explores the hypothesis that what unites these lexical transformations is a reflexive reengagement with the problem of demonstration. Beneath a formula that remains unchanged—demonstrationes esse definitionum catenas—Leibniz now explicitly thematizes the plurality of regimes of knowledge and of corresponding demonstrative modes, together with their respective limits. A comparison between texts from the Parisian period and Leibniz’s Hanoverian correspondence from 1677–1678 brings this conceptual shift into clear focus.

16:15: Lloyd Strickland (St. Helens): From a “Little Book” on Mathematics to the General Science: Leibniz 1679-1680

17:00: Pause

17:15: Öffentlicher Abendvortrag: Ursula Goldenbaum (Atlanta, GA): Ein Rationalist an Johann Friedrichs Hof. Leibniz’ erste Jahre in Hannover

Angesichts seiner großen Erfolge in Paris, seiner dortigen Entwicklung zu einem Mathematiker und Philosophen, von dem Arnauld meinte, mit der richtigen Religion wäre er einer der größten Männer, hoffte Leibniz lange, in Paris bleiben zu können, wegen des dort möglichen vielfältigen wissenschaftlichen Austauschs. Als Leibniz Mitte Dezember in Hannover ankam, hatte er aber nicht nur Paris verlassen, sondern auch London, Amsterdam, Delft und Den Haag, überall im wissenschaftlichen Gespräch mit führenden Mathematikern, Wissenschaftlern, Philosophen und Theologen. Das konnte ihm Hannover schlicht nicht bieten. Aber in Johann Friedrich sah er doch einen Fürsten, der seine wissenschaftlichen Projekte und mehr noch deren Umsetzung zum Nutzen seines Landes großzügig unterstützen würde. Dabei ging es nicht nur um einen unmittelbaren, sondern einen langfristigen und anhaltenden Nutzen. Der Rationalist Leibniz wollte zeigen, dass seine Methodik nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis fruchtbar sein konnte.

Im Folgenden möchte ich in einem ersten Abschnitt zeigen, wie Leibniz sich an die Neuordnung der Verwaltung des Herzogtums machte und welchen wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Nutzen für das Herzogtum er sich davon versprach. Bei diesem Projekt ging es nicht um notwendige, demonstrative Wahrheiten, sondern um einen Ozean voller kontingenter Wahrheiten, um Fakten.

In einem zweiten Abschnitt werde ich auf seine intensiven Spinoza-Studien während seiner ersten Jahre in Hannover eingehen, die er bereits in Paris nach dem Kontakt zu Tschirnhaus wieder aufgenommen hatte. Er kam ja direkt von seinen Treffen mit Spinoza nach Hannover, und führte dann in Hannover Diskussionen mit dem Bischof Stensen über Spinozas Verwerfung der Willensfreiheit. Und als er im Februar 1678 die Opera posthuma Spinozas zugesandt bekam, studierte Leibniz diese intensiv, wie aus seinen Anstreichungen, Marginalien und Exzerpten deutlich wird.

Den dritten und letzten Abschnitt widme ich Leibniz’ “großem Plan”. Auch dessen Idee geht zurück auf seine frühen Jahre in Mainz. Offensichtlich wollte er nun Johann Friedrich als Vermittler zum Vatikan gewinnen, um, auf den ersten Blick, die Reunion oder Union der christlichen Kirchen zu erreichen. Aber diese war ihm vor allem Voraussetzung für die Freiheit des Denkens, insbesondere des wissenschaftlichen Denkens, frei von kirchlicher Zensur.

Freitag, 11.12.2026

9:30: Philip Beeley (Oxford / Tübingen): Looking back and to the future. Leibniz's post-1676 reflections on scientific England

10:15: François Duchesneau (Montreal): Une suite du séjour de Leibniz à Paris : la réforme de la mécanique cartésienne

11:00: Pause

11.15: Ariane Walsdorf (Hannover): Hannovers Leonardo – Leibniz’ frühe mechanische Inventionen in der Rechentechnik und im Bergbau

12:00: Charlotte Wahl (Hannover): Circle quadrature and number systems in Leibniz 1677–1679

Leibniz was interested in number systems throughout his life. Among other things, he hoped that by studying the Ludolphine number (pi) in different number systems, he could determine whether the squaring of the circle was possible. This approach dates back (at least) to the very beginning of his stay in Hannover. The talk traces the overlapping development of these two quite different topics up to the famous first treatises on binary arithmetic in 1679.

12:45: Mittagspause

14:30: David Rabouin (Paris): 1679: an "annus mirabilis" of Leibniz's mathematics?

15:15: Präsentation der Ergebnisse des PHILIUMM-Projektes 1. Teil

16:00: Pause

16:15: Präsentation der Ergebnisse des PHILIUMM-Projektes 2. Teil

17:00: Abschlussdiskussion

 

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