Jahresvortrag der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gesellschaft

Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm Wellmer (Hannover):

Was sagt die Geologie heute zur Sintflut?

Freitag, den 22. November 2019, 17.00 Uhr.

Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Waterloostr. 8, 30169 Hannover.

Eintritt frei.

 

Referent

Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Friedrich-Wilhelm Wellmer studierte Geologie sowie Bergbau an den Technischen Universitäten Berlin und Clausthal (Promotion 1970 an der TU Clausthal). Er war von 1995 bis 2005 Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) sowie des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung (heute Teil des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie), von 2014 bis 2017 Präsident der Akademie für Geowissenschaften und Geotechnologien. Seit 1991 ist er Honorarprofessor an der TU Berlin, daneben ist er Inhaber von Ehrendoktorwürden der Bergakademie Freiberg und der TU Clausthal. Seit der Pensionierung 2005 Beschäftigung mit Leibniz, u.a. gab er 2014 Leibniz' Protogaea neu heraus. Er war lange Jahre Mitglied des Vorstandes der G.-W.-Leibniz-Gesellschaft und ist Initiator des Erkenntnisweges "Gottfried Wilhelm Leibniz" des Weltkulturerbes Oberharzer Wasserwirtschaft.

 

Zum Vortrag

Die Einsicht, dass marine Fossilien an Land oder gar in Gebirgen nicht Launen der Natur seien, sondern Überreste von Meerestieren, und erste Vorstellungen über Gebirgsbildungen vom 17. bis 19. Jahrhundert machten die Annahme einer Sintflut entbehrlich. Die Kenntnis von Eiszeiten mit großregionalen Vereisungen widerlegte im 19. Jahrhundert die modernere Sintfluttheorie, die Diluvialtheorie, die zur Erklärung erratischer Blöcke (Findlinge) z.B. in Schottland gedient hatte. Das geologische Weltbild änderte sich völlig mit Wegeners Kontinentaldriftheorie. Forschungsarbeiten mit einem Bohrschiff im internationalen Deep Sea Drilling Program und Ocean Drilling Program seit Ende der sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts führten zu der Erkenntnis, dass das heutige Mittelmeer zeitweise abgeschnitten war, trocken fiel und über den Durchbruch der Straße von Gibraltar vor 5,3 Mio. Jahren wieder geflutet wurde. Diese Erkenntnisse schufen die Basis für weitere Forschungen über die "Sintflut", die nach jetzigem Kenntnisstand in historischer Zeit vor 7600 Jahren im Gebiet des heutigen Schwarzen Meeres mit Durchbruch der Dardanellen gesehen wird. Trotz vieler Indizien ist es bislang immer noch eine Hypothese, denn Reste von Besiedlungsspuren sind bei Bohrungen im tiefen Teil des Schwarzen Meeres selbst noch nicht gefunden worden. Nicht überraschend gibt es in der Wissenschaft auch Argumente gegen diese Hypothese, auf die ebenfalls kurz eingegangen wird.

 

Fisch aus dem Kupferschiefer am Harzrand (288 Mio. Jahre alt). Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover.
Während seiner Aufenthalte im Harz brachte man Leibniz Fossilien aus dem Kupferschiefer, die er als Fische erkannte und nicht mehr als Launen der Natur (Lusus naturae) ansah. Leibniz berichtete 1706 hierüber Fontenelle, dem Sekretär der Pariser Académie des Sciences. Fontenelle verlas den Brief in einer Sitzung der Akademie. Kupferstich, Nicolaus Seeländer, GWLB Hannover, cup_4052.
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